Da stehe ich also. Im Staub derer, die vor mir kamen. Mein persönlicher Tanz auf der Achse des Psychoterrors. In meinem Kopf probt eine Hundertschaft aus Selbstzweifeln die Broadway-Steppversion von „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“, um mir auch die letzte Konzentrationsgrundlage aus dem Schädel zu kitzeln. Ordnung muss her. Schnell und sauber. Eine Schweißperle gleitet schüchtern über meine Stirn, weitere folgen. Der Damm bricht, meine Poren platzen. Ob die Zuschauer bemerken, wie mein Gehirn versucht, sich durch mein linkes Ohr aus dem Staub zu machen? Eigentlich ein guter Zeitpunkt für spontane Selbstverbrennung. Ich will sterben. Ich will würgen. Gerne auch beides. In beliebiger Reihenfolge.
Die Leute starren mich an und ich beginne an zu reden. Was, weiß ich nicht genau, aber immerhin steht alles auf den Zetteln vor mir. Im Hintergrund wird mein kleines Endzeitszenario von Powerpoint beflimmert. Mit einem leisen Zischen verdunstet sämtlicher Speichel spontan auf meiner Zunge. Die Wörter kleben im Mund fest. Ist mein Hosenstall offen? Warum gähnt die Schlampe in der ersten Reihe? Warum starre ich beim Reden die Ganze Zeit auf das Notausgangsschild? Raus? Raus. Raus!
Dann wird es plötzlich ruhig. Hirnblutung oder Nirwana. Immerhin höre ich mich weiterreden. Ein gutes Zeichen. Noch drei Seiten. Nichts mehr. Gleichmütig wie eine Hindukuh. Noch Zwei. Ich bin der Marathonmann. Trunken vom eigenen Hormon. Noch Eine. Fertig. Endlich. Ich grinse. Vor mir ein Wochenende. Nach mir die Sinnflut. Harter Schnitt. Zeit für den Abspann.
Gespeichert unter: persönliches.
Die Titelmusik zerrt sich verbraucht durch den Raum, prallt gegen die Wand und blutet langsam aus.
[Sanfte Überblende auf den Protagonisten. Close Up.]
Mein guter Anzug ist in der Reinigung, daher fasse ich mich kurz: An dieser Stelle tauchen Texte auf. Gelegentlich. Meine derzeitige Arbeit wirkt auf meinen Lebenswandel, wie Botox auf Madonna. Macht zeitlos , strafft gnadenlos. Bleibt wenig Zeit für Texte. Aber wir werden sehen.
Hoffe es schmeckt trotzdem. Guten Appetit.
[Abblende]
Ruhe.